Fledermausbiologie:



Die Fledermäuse gehören zu den ältesten und am leichtesten erkennbaren Säugetierordnungen. Die Fähigkeiten zu fliegen und sich mit ihrem ausgeklügelten Echoortungssystem in der Dunkelheit zu orientieren sind die Grundlage für ihren großen enwicklungsgeschichtlichen Erfolg. Mit mehr als 1100 lebenden Arten stellen sie etwa ein Viertel der heute lebenden Säugetierarten und sind nach den Nagetieren die artenreichste Säugetiergruppe. Ihr Verbreitungsgebiet ist enorm groß - Fledermäuse gibt es außer in der Arktis und Antarktis und einigen wenigen ozeanischen Inseln auf allen Kontinenten. Die meisten Arten leben in den Tropen, in höheren Breiten nimmt die Artenzahl rasch ab. Aber auch in gemäßigtem Klima können Fledermäuse gut überleben, sie müssen hier den nahrungsarmen Winter entweder durch Wegziehen in wärmere Regionen oder im energiesparenden Winterschlaf überstehen.

 

Fledermäuse sind in zwei Großgrupppen unterteilt: Microchiroptera (Echo ortende Fledermäuse) und Megachiroptera (Frucht fressende Fledermäuse der Alten Welt, die nicht Echo orten können). Nach neuen molekularbiologischen Erkenntnissen entstanden beide Gruppen aus einem gemeinsamen Vorfahren und haben sich seit dem Paläozän (ca. 65 Millionen Jahre vor heute) unabhängig voneinander entwickelt.



Abstammung und Evolution




Die ältesten Funde fossiler Fledermäuse stammen aus dem Eozän aus tropischen und subtropischen Wäldern Europas, Amerikas und Australiens. Abdrücke der häutigen Flügel und die Struktur des Schultergürtels sowie die vergrößerten Ohrkapseln lassen deutlich erkennen, dass alle damals lebenden Arten bereits zu aktivem Flatterflug und zu Echoortung fähig waren. Der über fast alle Kontinente verteilte eindrucksvolle Artenreichtum und die sehr speziellen Anpassungen müssen sich aber schon lange vor dem Eozän entwickelt haben. Es gilt als sicher, dass die Entstehung der Fledermäuse bereits Ende der Kreide oder am Beginn des Paläozoikums, also vor 65 Millionen Jahren, begann und mit der Entstehung der Blütenpflanzen und zahlreicher neuer Insektengruppen in Zusammenhang stehen könnte.

 

Über den Verlauf der Evolutionsgeschichte gibt es noch unterschiedliche wissenschaftliche Meinungen. Eine Theorie besagt, dass alle Fledermäuse von auf Bäumen lebenden, Insekten fressenden und bei Nacht aktiven Säugetieren abstammen und dass durch die Entwicklung des aktiven Flugs und der Echoortung die Fledermausevolution in Gang kam. Eine andere Theorie nimmt an, dass die Fähigkeit zum aktiven Flug zweimal entstand. Die neueste Hypothese geht davon aus, dass die Vorläufer der Fledermäuse zwar auf Bäumen lebten, aber Früchte fraßen und bei Tag aktiv waren. Nachdem sie den aktiven Flug entwickelt hatten, wären sie nach dieser Theorie durch die Evolution der tagaktiven Greifvögel zu nächtlicher Lebensweise gezwungen worden. Auf diesem Entwicklungsstadium hätten sich durch unterschiedliche Anpassung an die Dunkelheit zwei Gruppen voneinander abgespalten: Eine, Megachiroptera, hätte das nächtliche Sehvermögen optimiert und wäre bei der Ernährung von Früchten geblieben, eine andere Gruppe (Microchiroptera) hätte die Echoortung zur Orientierung in der Dunkelheit entwickelt und sich zahlreiche verschiedene Nahrungsnischen erobert.