Jagdstrategien:





Grafik: Iris Lindner

Ähnlich wie die anderen zu aktivem Flug fähigen Wirbeltiere, die Vögel, nutzen Fledermäuse viele verschiedene Nahrungsressourcen. Sie fressen Insekten, Fische, kleine terrestrische Wirbeltiere, Blut, Pollen und Früchte. Die unterschiedlichen Strategien des Nahrungserwerbs formen die Flügel und gestalten das System der Echoortung.

 

Von den heimischen Fledermausarten, die in erster Linie Insekten, aber auch andere Gliederfüßler und Spinnentiere fressen, werden schwerpunktmäßig die folgenden Jagdstrategien angewandt. Es muss aber erwähnt werden, dass jede Art imstande ist, jede im Überfluss vorhandene Beute zu fangen.



Jagd im freien Luftraum über Vegetation

 

Mit hoher Fluggeschwindigkeit werden große Kreise in der Luft beschrieben. Um fliegende Insekten aus größerer Entfernung entdecken zu können, werden Rufe mit niederer Frequenz (15-30 kHz) und 60 ms Dauer angewendet. Die Flügel sind lang und haben spitze Enden. Von den heimischen Arten verwendet der Abendsegler diese Jagdstrategie. Er verwendet abwechselnd FM und tiefe CF-Rufe.



Jagd im freien Luftraum zwischen Vegetation

 

Wegen der kürzeren Flugdistanzen, die bei der Jagd nach fliegenden Insekten zurück gelegt werden, und der geringeren Fluggeschwindigkeit sind die Flügel kürzer und die verwendeten Ortungsrufe höher und haben eine größere Bandbreite. Diese Nahrungsnische wird u. a. von den Arten der Zwergfledermäuse (Gattung Pipistrellus) verwendet.



Jagd von einer Warte aus





Foto: Dietmar Nill

Ähnlich wie die Fliegenschnäpper unter den Vögeln, warten manche Fledermäuse von einer festen Warte auf vorbei fliegende Beute. Sie hängen dabei von einem Ast und verfolgen die Beute im Flug. Von den heimischen Arten verwendet die Kleine Hufeisennase diese Strategie.




Abklauben der Beute von Oberflächen und Rütteln in der Luft

 

Etliche Fledermausarten suchen im Laubdach der Bäume nach Beute (Insekten oder kleine Wirbeltiere), die auf oder unter Blättern sitzen. Andere wieder lesen die Beute von senkrechten Oberflächen, wie z. B. Felswänden ab. Sie tun dies oft so, dass sie wie ein Kolibri im Rüttelflug vor der Beute in der Luft "stehen". Dazu und zum Flug im hindernisreichen Blattgewirr haben sie kurze, abgerundete Flügel. Sie verwenden leise, sehr kurze (kleiner als 2 ms lange) Rufe, deren Echo ihnen vermutlich Auskunft über die Bewegung ihres Zielobjekts gibt. Sie haben vielfach auch die Fähigkeit, die von der Beute gemachten Bewegungen wahrzunehmen, sei es akustisch oder optisch. Unter den heimischen Arten finden Langohren (Gattung Plecotus) auf diese Weise Insekten. 



Jagd nahe über und direkt am Boden





Foto: Dietmar Nill

Besonders in Waldlichtungen mit wenig Unterwuchs wird der Boden mittels Echoortung abgesucht. Wird ein Beutetier, z.B. ein Käfer, entdeckt, landet die Fledermaus und fängt es direkt am Boden. Manchmal wird auch "zu Fuß" nach Beute gesucht.

 

Die beiden großen Mausohrarten haben sich auf den Beutefang am Boden spezialisiert.

 

 

 

 

 

 




Schleppfischen





Foto: Dietmar Nill

Aus dem Wasser aufsteigende oder auf der Wasseroberfläche schwimmende Insekten werden mit Hilfe verlängerter und mit Haarborsten versehener Zehen, die wie ein Schleppnetz eingesetzt werden, aufgefischt. Da der Luftraum über dem Wasser meist vegetationsfrei ist, sind die Flügel dieser Fledermäuse oft lang. Sie verwenden meist modulierte Frequenzen, mit einem breiten Bereich, die helfen, die Wasseroberfläche zu analysieren. Manche Arten, wie z. B. die Wasserfledermaus, erbeuten einen Teil ihrer Nahrung auch im freien Luftraum zwischen Bäumen.